Liebeserklärung an das Schmieden

Johannes Rienhoff ist pure Energie. Wenn er arbeitet, prallen Feuer, Wasser und Muskelkraft aufeinander. In seiner Schmiede fertigt er Tore, Zäune und Schränke aus Eisen oder arbeitet abgenutzte Meissel wieder auf. Über seine Liebe zu Eisen und seinen Beruf hat er mit uns gesprochen

Text: Jendrik Hillebrecht | Regie & Kamera: Jendrik Hillebrecht

Das Schöne an Eisen ist, dass die Form im Wesentlichen immer schon drinsteckt»

Johannes Rienhoff
Johannes Rienhoff schaut sich Meissel an, die dann aufgearbeitet werden
Johannes schaut sich das Schadensbild der Meissel genau an, bevor er sie aufarbeitet

Der Plan

Eigentlich hatte Johannes Rienhoff sich sein Leben anders vorgestellt: Mit 15 Jahren wurde er als Leichtathletik-Talent entdeckt, und er kam auf ein Sportinternat in der ehemaligen DDR. Sein Körper veränderte sich, er wurde kräftiger und das Aushängeschild seiner Schule: Johannes trainierte für Olympia. Sein Traum. Doch mit 20 verletzte sich Johannes schwer, und seine Karriere als Profi-Sportler endete, bevor sie begonnen hatte.

Johannes Rienhoff in seiner Schmiede vor dem Presshammer
Johannes Riemann. Kraftvoll, immer herzlich und voller guter Laune

Was tun – mit diesem Leben?

Johannes musste umdenken. Er wollte eine kraftvolle körperliche Arbeit, die ihm gleichzeitig die Möglichkeit gab, sich geistig zu entfalten. Die meisten Schreibtischjobs holten ihn da einfach nicht ab. Aber im Beruf des Schmiedes fand er beides. Eine Arbeit voller elementarer Energie und Geist: Um seine Entwürfe zu visualisieren, brachte er sich das Zeichnen bei.

Ich will abends eine gewisse Bettschwere haben. Dann weiss ich, ich hab mir meinen Feierabend verdient»

Johannes Rienhoff
Johannes Rienhoff am Schmieden. Er arbeitet einen Meissel mit dem Schmiedehammer auf
Johannes bearbeitet einen Meissel. Sein Gegenstück: der Amboss
Johannes hat sich das zeichnen antrainiert, um seine Entwürfe besser visualisieren zu können
Jeder seiner Entwürfe: datiert und signiert

Immer weiter

Was Johannes nicht kennt: Stillstand. Liegen lassen ist nicht. Ob bei der Arbeit oder in seiner Freizeit beim Kampf- und Kraftsport – Johannes macht weiter. Bis es wehtut. Und dann noch ein bisschen mehr. Urlaub ist für ihn eine Geduldsprobe. Zeit, in der er nichts hervorbringt? Ruhe geniessen? Schwierig für ihn.

Johannes Rienhoff bearbeitet Meissel für Presslufthämmer mit einer Eisen-Flex
Mit der Flex wird der Meissel auf die benötigte Länge gekürzt

Dieser Spruch: ,Was lange hält, bringt wenig Geld‘ ... Ich würde mich schämen, wenn ich so fertigen würde»

Johannes Rienhoff

Abschalten kann er sowieso am besten bei der Arbeit in seiner Schmiede. Die hat er 2013 vom Vorbesitzer übernommen. Hier ist alles an seinem Platz. Das hilft ihm herunterzufahren, sich ganz auf die Arbeit zu konzentrieren und die hohe Qualität zu produzieren, für die er stehen will. Sein Anspruch, bei allem, was er fertigt.

 

360° Werkstatt: Schaut Euch in der Schmiede um

Die Tradition

Johannes pflegt und schätzt die Traditionen des Handwerks. Er nimmt Menschen auf Wanderschaft bei sich auf und bietet ihnen eine Bleibe. Ausserdem bildet er aus. Seine Lehrlinge lernen bei ihm nicht nur etwas über das Schmieden, sondern auch über das Leben. Immer wieder beobachtet Johannes, dass die schweisstreibende Arbeit mit Hammer und Amboss den jungen Leuten hilft, einen Ausgleich zur stressigen und unübersichtlichen Welt zu finden.

Johannes Rienhoff verformt das Eisen zu Ornamenten für Geländer oder Tore
Johannes betrachtet seine Arbeit. Hier hat er Ornamente für ein Treppengeländer verformt
Johannes Rienhoff erhitzt Eisen im Schmiedeofen
Im Schmiedeofen wird das Eisen auf 1300 C° erhitzt, um es bearbeiten zu können

Johannes und sein Team stehen für kompromisslose Schmiedekunst. Neben der energievollen und harten Arbeit pflegen sie Tradition und ein herzliches Miteinander. Wer noch mehr über die Schmiede Lehmann erfahren will, bekommt hier einige Infos.

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